Zwei Gläser mit Softdrinks

Mehr als Zuckerbombe: Wie Softdrinks Darm und Psyche beeinflussen

Softdrinks sind aus dem Alltag vieler Menschen kaum wegzudenken, ob im Kino, im Restaurant oder gemütlich auf dem Sofa. Die süßen Erfrischungsgetränke gelten oft als harmloser Durstlöscher, doch der regelmäßige Konsum kann die Gesundheit belasten. Studien zeigen, dass die zuckerhaltigen Getränke nicht nur das Risiko für Übergewicht und Diabetes erhöhen, sondern auch die Psyche und die Darmflora beeinflussen können. Warum Softdrinks mehr als nur eine Kalorienquelle sind und weshalb Wasser oder ungesüßter Tee die bessere Wahl darstellen, erfährst du in diesem Beitrag.


Welche Folgen hat regelmäßiger Softdrink-Konsum?


Regelmäßiger Softdrink-Konsum hat weitreichende Folgen für die Gesundheit und betrifft längst nicht nur das Körpergewicht. Die süßen Getränke liefern große Mengen an schnell verfügbarem Zucker, häufig in Form von Glukose und Fruktose, enthalten zahlreiche Zusatzstoffe, aber kaum Nährstoffe. Dadurch wird der Konsum von Softdrinks mit zahlreichen negativen gesundheitlichen Folgen in Verbindung gebracht. Dazu zählen Gewichtszunahme und die Erhöhung des Risikos für Adipositas, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.1-5


Wie können Softdrinks Stimmung und Psyche beeinflussen?


Wissenschaftliche Erkenntnisse weisen zunehmend auf einen negativen Einfluss von Softdrinks auf die psychische Gesundheit hin. Studien zeigen, dass regelmäßiger Konsum mit einem erhöhten Risiko für Depressionen einhergeht. So ergab eine US-amerikanische Studie, dass Frauen, die regelmäßig Softdrinks konsumierten, nach vier Jahren ein um 34 % höheres Risiko hatten, eine schwere Depression zu entwickeln.6 In Übereinstimmung mit diesem Befund wurde der Zusammenhang zwischen Softdrink-Konsum und depressiven Symptomen auch in weiteren Studien beobachtet. Die meisten bisherigen Untersuchungen beruhen jedoch auf selbstberichteten Symptomen, sodass der Zusammenhang mit klinisch diagnostizierter schwerer Depression und die zugrunde liegenden Mechanismen bislang unklar bleiben.


Neue Studie zeigt: Softdrink-Konsum erhöht Depressionsrisiko – besonders bei Frauen


Eine aktuelle klinische Kohortenstudie von Thanarajah et al.1 mit 932 Teilnehmenden, darunter 405 Patient*innen mit schwerer Depression und 527 gesunde Kontrollpersonen im Alter von 18 bis 65 Jahren, liefert neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Softdrink-Konsum und psychischer Gesundheit.

Die Forschenden untersuchten, ob und in welchem Ausmaß der Konsum zuckerhaltiger Getränke mit der Diagnose und Schwere einer Depression zusammenhängt. Die Teilnehmer*innen wurden mithilfe des Food-Frequency-Fragebogens (FFQ2), einem validierten Ernährungsfragebogen, zu ihrer durchschnittlichen Softdrink-Aufnahme im vergangenen Jahr befragt. Anschließend wurden die Daten mit klinischen Parametern abgeglichen.

Das Ergebnis war eindeutig:
Personen, die regelmäßig Softdrinks tranken, hatten insgesamt ein signifikant höheres Risiko, an einer schweren Depression zu erkranken. Besonders deutlich war dieser Zusammenhang bei Frauen: Ihr Risiko war um rund 17 % erhöht, während sich bei Männern kein signifikanter Effekt zeigte. Auch die Schwere der depressiven Symptome nahm mit steigendem Softdrink-Konsum zu.

Nach Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren wie Body-Mass-Index (BMI), Kalorienaufnahme oder Antidepressiva-Einnahme blieben, die bei der weiblichen Patentinnen Kohorte erkannten Effekte bestehen. Ein Hinweis auf eine robuste Verbindung zwischen Softdrink-Konsum und psychischer Gesundheit bei Frauen.


Eggerthella im Fokus: Wie das Darmbakterium Frauen stärker beeinflussen könnte


Frühere Studien zeigen, dass Menschen mit schwerer Depression im Vergleich zu gesunden Patienten eine veränderte Darmflora aufweisen. Forscher fanden bei Menschen mit schwerer Depression eine erhöhte Häufigkeit bestimmter pathogener, also potenziell schädlicher Bakterien.7,8 Eine große Kohortenstudie mit über 1.200 Teilnehmenden identifizierte die pathogenen Bakterienarten Eggerthella und Hungatella sogar als beitragende Faktoren bei der Entwicklung von Depressionen.9

Vor diesem Hintergrund untersuchte die Studie von Thanarajah et al.1, ob der Zusammenhang zwischen Softdrink-Konsum und Depression über Veränderungen in der Darmflora vermittelt wird, insbesondere über die Häufigkeit der gesundheitsschädlichen Bakterien Eggerthella und Hungatella. 
Die Forschenden fanden heraus, dass Softdrink-Konsum mit einem erhöhten Vorkommen der schädlichen Eggerthella Bakterien verbunden war, während bei Hungatella kein signifikanter Zusammenhang vorlag. Außerdem zeigte sich, dass ein höherer Konsum zu einer geringeren mikrobiellen Vielfalt im Darm führte.

Eine Analyse zeigte, dass das Darmbakterium Eggerthella eine Rolle dabei spielt, wie sich der Konsum von Softdrinks auf die Stimmung auswirken kann. Etwa 4 bis 5 Prozent des Zusammenhangs zwischen Softdrinks und depressiven Symptomen ließen sich durch eine Zunahme dieses Bakteriums erklären. Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass ein Teil des negativen Einflusses von Softdrinks auf die psychische Gesundheit über den Darm verläuft.


Ein Teufelskreis: Zucker, Stimmung und Darmflora


Zwischen Softdrink-Konsum und Depression scheint ein Zusammenhang zu bestehen – ein Kreislauf, der Körper und Psyche gleichermaßen betrifft. Der regelmäßige Konsum zuckerhaltiger Getränke kann das Gleichgewicht der Darmflora stören, die Häufigkeit bestimmter schädlicher Bakterien erhöhen und dadurch Entzündungsprozesse oder Stoffwechselwege beeinflussen, die mit depressiven Symptomen in Verbindung stehen.10,11

Gleichzeitig neigen Menschen mit Depressionen häufig zu einem erhöhten Verzehr süßer Lebensmittel und Getränke, was als sogenanntes „emotional eating“ beschrieben wird. Zuckerhaltige Produkte können kurzfristig beruhigend oder stimmungsaufhellend wirken. Langfristig verstärken sie jedoch die Beschwerden, weil sie die Mikrobiota weiter aus dem Gleichgewicht bringen und Stoffwechsel sowie Gehirnfunktion beeinträchtigen.

Frühere klinische Studien zeigen zudem, dass zucker- und fettreiche Ernährung direkt die Gehirnaktivität und das Verhalten verändert, unabhängig vom Körpergewicht.12 Damit wird deutlich: Ernährung und psychische Gesundheit beeinflussen sich gegenseitig. Wer also seine Softdrink-Gewohnheiten ändert, kann nicht nur etwas für den Stoffwechsel, sondern auch für das seelische Gleichgewicht tun.


Was bedeutet das für Prävention und Therapie?


Die Ergebnisse klinischer Studien legen nahe, dass Softdrink-Konsum über Veränderungen in der Darmflora zur Entstehung und Ausprägung einer depressiven Erkrankung beitragen kann. Besonders bei Frauen wird dieser Zusammenhang deutlich. Damit rückt die Darmflora als möglicher Vermittlungsfaktor zwischen Ernährung und psychischer Gesundheit stärker in den Fokus.

Auch wenn die Effekte auf Beobachtungsdaten basieren und daher kein direkter Nachweis sind, handelt es sich um einen vermeidbaren Risikofaktor, der sich im Alltag leicht beeinflussen lässt. Schon ein bis zwei Softdrinks täglich können sich negativ auf Stoffwechsel, Darmflora und Stimmung auswirken, und diese Effekte lassen sich nicht einfach durch Sport kompensieren. Wer zuckerhaltige Getränke reduziert, stattdessen auf Wasser oder ungesüßte Alternativen setzt, ballaststoffreich isst und Stress abbaut, stärkt nicht nur den Stoffwechsel, sondern auch das seelische Gleichgewicht.

Für die Prävention und Behandlung von Depressionen bedeutet das: Ernährung sollte künftig stärker in therapeutische Konzepte integriert werden. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche und zuckerarme Ernährung kann dazu beitragen, die Darmflora zu stabilisieren und entzündliche Prozesse zu reduzieren, die mit depressiven Symptomen in Verbindung stehen. Besonders Behandlungsstrategien, die gezielt auf das Gleichgewicht der Darmflora wirken, gelten als vielversprechend für zukünftige Therapien.

Fazit

Studien zeigen, dass der Zuckerkonsum über die Darmflora, Einfluss auf das seelische Wohlbefinden nehmen kann, insbesondere bei Frauen. Schon kleine Veränderungen können viel bewirken: Wer Softdrinks reduziert und stattdessen auf Wasser oder ungesüßten Tee setzt, unterstützt nicht nur den Stoffwechsel, sondern auch die Verbindung zwischen Darm und Psyche. 

FAQ

  • Können Softdrinks meine Stimmung beeinflussen?

    Ja, Studien deuten darauf hin, dass regelmäßiger Softdrink-Konsum mit einem höheren Risiko für depressive Symptome verbunden ist. Besonders bei Frauen zeigt sich ein Zusammenhang zwischen dem Zuckerkonsum, Veränderungen in der Darmflora und der psychischen Gesundheit.1

  • Besteht ein Zusammenhang zwischen meinem Softdrink-Konsum, meiner Stimmung und meiner Darmflora?

    Die Darmflora stellt eine plausible Verbindung zwischen Softdrink-Konsum und Major Depression (MDD) dar, da es mit beiden Faktoren eng assoziiert ist. Softdrinks, hochverarbeitet, energiereich und reich an einfachen Zuckern, können die Aufnahmekapazität des Dünndarms überlasten und das Wachstum bestimmter Bakteriengattungen fördern.

  • Warum sind Frauen stärker betroffen?

    Ein möglicher Grund, warum Frauen stärker betroffen sind, liegt in geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Darmflora. Die Zusammensetzung der Darmflora und ihre Reaktion auf Ernährung werden stark vom biologischen Geschlecht und den Sexualhormonen beeinflusst. Studien zeigen, dass Östrogen und Progesteron sowohl die Zusammensetzung der Darmflora als auch die Aktivierung von Immunzellen und die Reaktion des Gehirns auf Nahrungsreize beeinflussen können.

  • Was kann ich tun, um meinen Darm und meine Psyche zu unterstützen?

    Weniger Zucker und Softdrinks, dafür mehr Wasser oder ungesüßter Tee, eine ballaststoffreiche Ernährung und Stressabbau – all das kann helfen, die Mikrobiota zu stabilisieren und das seelische Wohlbefinden zu fördern.

Literatur

1.    Edwin Thanarajah S, Ribeiro AH, Lee J, Winter NR, Stein F, Lippert RN, Hanssen R, Schiweck C, Fehse L, Bloemendaal M, Aichholzer M, Bouzouina A, Uckermark C, Welzel M, Repple J, Matura S, Meinert S, Bang C, Franke A, Leenings R, Konowski M, Ernsting J, Fisch L, Barkhau C, Thomas-Odenthal F, Usemann P, Teutenberg L, Straube B, Alexander N, Jamalabadi H, Nenadic I, Lügering A, Nitsch R, Kittel-Schneider S, Cryan JF, Reif A, Kircher T, Heider D, Dannlowski U, Hahn T. Soft Drink Consumption and Depression Mediated by Gut Microbiome Alterations. JAMA Psychiatry. 2025 Sep 24:e252579. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2025.2579. Epub ahead of print. PMID: 40991280; PMCID: PMC12461599.
2.    Hu H, Song J, MacGregor GA, He FJ. Consumption of Soft Drinks and Overweight and Obesity Among Adolescents in 107 Countries and Regions. JAMA Netw Open. 2023 Jul 3;6(7):e2325158. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2023.25158. PMID: 37486630; PMCID: PMC10366702.
3.    Pacheco LS, Tobias DK, Li Y, Bhupathiraju SN, Willett WC, Ludwig DS, Ebbeling CB, Haslam DE, Drouin-Chartier JP, Hu FB, Guasch-Ferré M. Sugar-sweetened or artificially-sweetened beverage consumption, physical activity, and risk of cardiovascular disease in adults: a prospective cohort study. Am J Clin Nutr. 2024 Mar;119(3):669-681. doi: 10.1016/j.ajcnut.2024.01.001. Epub 2024 Jan 6. Erratum in: Am J Clin Nutr. 2024 May;119(5):1376. doi: 10.1016/j.ajcnut.2024.03.012. PMID: 38185281; PMCID: PMC10972709.
4.    Malik VS, Hu FB. The role of sugar-sweetened beverages in the global epidemics of obesity and chronic diseases. Nat Rev Endocrinol. 2022 Apr;18(4):205-218. doi: 10.1038/s41574-021-00627-6. Epub 2022 Jan 21. PMID: 35064240; PMCID: PMC8778490.
5.    Llaha F, Gil-Lespinard M, Unal P, de Villasante I, Castañeda J, Zamora-Ros R. Consumption of Sweet Beverages and Cancer Risk. A Systematic Review and Meta-Analysis of Observational Studies. Nutrients. 2021 Feb 4;13(2):516. doi: 10.3390/nu13020516. PMID: 33557387; PMCID: PMC7915548.
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9.    Fehse L, Ribeiro AH, Winter NR, et al. From gut to brain: evidence for a causal contribution of gut-microbiota to major depressive disorder in humans. medRxiv. Preprint posted online December 6, 2024. 
10.    Hsu TM, Konanur VR, Taing L, Usui R, Kayser BD, Goran MI, Kanoski SE. Effects of sucrose and high fructose corn syrup consumption on spatial memory function and hippocampal neuroinflammation in adolescent rats. Hippocampus. 2015 Feb;25(2):227-39. doi: 10.1002/hipo.22368. Epub 2014 Oct 3. PMID: 25242636.
11.    Harrell CS, Zainaldin C, McFarlane D, Hyer MM, Stein D, Sayeed I, Neigh GN. High-fructose diet during adolescent development increases neuroinflammation and depressive-like behavior without exacerbating outcomes after stroke. Brain Behav Immun. 2018 Oct;73:340-351. doi: 10.1016/j.bbi.2018.05.018. Epub 2018 May 19. PMID: 29787857; PMCID: PMC9280910.
12.    Edwin Thanarajah S, DiFeliceantonio AG, Albus K, Kuzmanovic B, Rigoux L, Iglesias S, Hanßen R, Schlamann M, Cornely OA, Brüning JC, Tittgemeyer M, Small DM. Habitual daily intake of a sweet and fatty snack modulates reward processing in humans. Cell Metab. 2023 Apr 4;35(4):571-584.e6. doi: 10.1016/j.cmet.2023.02.015. Epub 2023 Mar 22. PMID: 36958330.

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