Säuglingskoliken: Ursachen, neue Erkenntnisse und wie Bifidobakterien unterstützen können
Wenn Babys in den ersten Lebensmonaten häufig und scheinbar grundlos schreien, ist das für viele Eltern eine große Herausforderung. Diese unruhigen Phasen werden oft als „Säuglingskoliken“ oder „Dreimonatskoliken“ bezeichnet. Der Begriff „Dreimonatskoliken“ ist jedoch missverständlich, da auch ältere Babys noch mit Unruhe und Schreien zu kämpfen haben. Doch was steckt hinter den Schreitattacken, wie viele Babys sind betroffen, und womit können Eltern das Neugeborene optimal unterstützen?
Was sind Säuglingskoliken?
Säuglingskoliken beschreiben wiederkehrende Phasen, in denen Babys über längere Zeit hinweg untröstlich schreien und Unruhe zeigen. Dabei gibt es keinen erkennbaren Grund für das Schreien, wie etwa Hunger oder eine Krankheit. Solche Schrei- und Unruhephasen sind für viele Eltern eine enorme Belastung, da sie sich häufig nicht erklären können, warum ihr Baby weint und sich das Kind auch nicht beruhigen lässt.
Es wird geschätzt, dass ca. 10 bis 25 Prozent aller Babys in den ersten Monaten ihres Lebens unter solchen Schreitattacken leiden. Diese Phasen beginnen oft im ersten Monat und erreichen ihren Höhepunkt im Alter von sechs bis acht Wochen. In den meisten Fällen klingen die Beschwerden im Alter von 4-6 Monaten von allein ab. Es gibt jedoch auch Babys, bei denen die Symptome länger anhalten.
Ursachen von Säuglingskoliken
Die genaue Ursache von Säuglingskoliken ist noch nicht abschließend geklärt, jedoch gibt es mehrere mögliche Faktoren, die zur Entstehung der Beschwerden beitragen können:
- Dysbiose der Darmflora
Babys, die unter Koliken leiden, zeigen häufig ein Ungleichgewicht zwischen den „guten“ und „schlechten“ Bakterien im Darm. Eine altersgerecht entwickelte Darmflora spielt eine zentrale Rolle für Verdauung und Immunsystem. Ist das Gleichgewicht der Darmflora gestört, können Beschwerden auftreten. In der Folge kann es vermehrt zu Unruhe und Schreiattacken kommen. - Empfindlichkeit gegenüber Reizen
Viele Babys mit Koliken zeigen eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen wie Geräuschen, Licht oder sogar körperlichen Berührungen. Diese Empfindlichkeit führt oft zu einer intensiveren Stressreaktion, was wiederum das Schreien verstärken kann. - Unreifes Verdauungssystem
Ein häufig genannter Faktor ist das noch nicht vollständig ausgereifte Verdauungssystem der Babys. Der Darm und das ihm umgebende enterische Nervensystem („Bauchhirn“) müssen sich erst an die Verdauung von Nahrungsmitteln gewöhnen, was in den ersten Monaten zu Blähungen, Krämpfen und allgemeinem Unwohlsein führen kann.
Die Rolle der Darmflora und wie Bifidobakterien helfen können
Eine ausgewogene Darmflora ist entscheidend für das Wohlbefinden eines Babys. Sie besteht aus Bakterien im Darm, die eine wichtige Rolle bei der Verdauung spielen. Bei Babys mit Koliken zeigt sich häufig ein Ungleichgewicht, insbesondere ein Mangel an nützlichen Bakterien wie Bifidobakterien.
Bifidobakterien sind von Geburt an im Darm aktiv und unterstützen die Verdauung, trainieren das Immunsystem und sorgen dafür, dass sich die Darmflora normal entwickeln kann.
Womit können Eltern ihr Baby optimal unterstützen?
Auch wenn die Ursache von Koliken nicht immer leicht zu identifizieren ist, gibt es einige Maßnahmen, die Eltern ergreifen können, um die Beschwerden ihres Babys zu lindern:
- Sanfte Massagen und Wärme
Eine sanfte Bauchmassage oder das Auflegen einer warmen Kompresse kann dabei helfen, die Beschwerden des Babys zu lindern und es zu beruhigen. Wichtig ist, dass die Wärme angenehm ist und das Baby nicht zu stark belastet wird. - Rituale zur Beruhigung
Rituale wie sanftes Schaukeln, Singen oder das Tragen in einer Tragehilfe können helfen, das Baby zu beruhigen und das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit geben. - Ernährung anpassen
Beim Stillen kann es hilfreich sein, die eigene Ernährung zu überprüfen und mögliche Auslöser wie bestimmte Nahrungsmittel zu erkennen. Es ist jedoch wichtig für Mutter und Kind auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und sich nicht vorsorglich bei der Nahrungsmittelauswahl einzuschränken. Für Babys, die mit der Flasche gefüttert werden, gibt es inzwischen spezielle Formeln, die die Verdauung schonen. - Probiotika mit Bifidobakterien
Der gezielte Einsatz von Probiotika, die Bifidobakterien enthalten, hat sich als hilfreich erwiesen. Diese Präparate können die Darmflora unterstützen und die Verdauung fördern. Es gibt spezielle Probiotika für Säuglinge, die für diese Phase entwickelt wurden.
Säuglingskoliken sind eine herausfordernde Phase für Eltern und Babys. Die genaue Ursache ist zwar noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass eine unausgewogene Darmflora eine wesentliche Rolle spielt. Die Gabe von Bifidobakterien in Form von Probiotika kann dabei helfen, die kindliche Darmflora zu unterstützen und die Symptome zu lindern. In allen Fällen handelt es sich um eine vorübergehende Phase, die mit der Zeit von selbst abklingt. Bis dahin können sanfte Maßnahmen und eine angepasste Ernährung das Wohlbefinden des Babys und der Eltern fördern.
FAQ
Was sind Dreimontaskoliken?
Dreimonatskoliken sind wiederkehrende Phasen, in denen Babys über längere Zeit hinweg untröstlich schreien und unruhig sind. Dabei gibt es keinen erkennbaren Grund für das Schreien, wie etwa Hunger oder eine Krankheit.
Was sind die Ursache von Säuglingskoliken?
Die Ursachen für Koliken sind vielfältig und sind weiterhin in der Erforschung. Neben einem noch unreifen Verdauungssystem und einem verstärkten Reizempfinden zählen v.a. Veränderungen der Darmflorazusammensetzung als Hauptauslöser.
Was hilft gegen Dreimonatskoliken?
Vielen Babys hilft eine klare Tagesstruktur die Ruhe und Routine schafft sowie Körpernähe und Geborgenheit. Darüber hinaus kann sanfte Wärme (Wickel, Körnerkissen) oder eine Bauchmassage helfen. Um die Darmflora zu unterstützen können spezielle Probiotika eingesetzt werden.
Welche Probiotika sind für Babys geeignet?
Für Babys eignen ist besonders Probiotika in Tropfenform, da sie dem Baby leicht gegeben werden können. Die enthaltenen Kulturen sollten der normalen Darmflora von Babys entsprechen und wissenschaftlich gut untersucht sein. Hier sind v.a. die Bifidobakterien zu nennenm z.B. in Form des Stammes BB-12®.
Ist dein Baby von Koliken betroffen und du fühlst dich vielleicht mit der Situation überfordert? Bitte mache dir deswegen keine Vorwürfe. Übermäßiges Schreien wird nicht durch Fehler im Umgang mit deinem Baby hervorgerufen. Suche dir in solchen Fällen bitte Unterstützung.
Erste Anlaufstellen können die Hebamme und der Kinderarzt oder die Kinderärztin sein. Auch kannst du Freund*innen oder ein Familienmitglied um Unterstützung bitten.
Weiter Informationen und professionelle Hilfsangebote findest du hier:
https://www.elternsein.info/schreien/baby-schreit-viel/
https://www.elternsein.info/schreien/suche-schreiambulanzen/