Anwendungsbereich Immunsystem

Infektanfälligkeit

Menschen mit einem starken Immunsystem werden selten krank. Wenn es sie doch erwischt, dann ist die Krankheit oft kürzer oder weniger heftig. Zum Beispiel bekommen sie abends Fieber und sind am folgenden Tag schon wieder deutlich fitter.

Wer ständig mit Halsschmerzen, Husten, Schnupfen und sonstigen Symptomen der Erkältung zu kämpfen hat, gilt als infektanfällig.

Was sind Infekte und wie entstehen sie?

SchnupfenGenerell bezeichnet man als Infektion das Eindringen von Krankheitserregern in den Organismus, verbunden mit der Vermehrung des Erregers und einer Immunreaktion des infizierten Organismus. Diese Immunreaktionen können eine Entzündung, begleitet von Fieber, Durchfall und anderen Symptomen, hervorrufen.

 

 

Schon gewusst? Die meisten Infekte werden durch Viren nicht durch Bakterien verursacht.

In den meisten Fällen einer Erkältung handelt es sich um einen grippalen Infekt, ausgelöst durch 200 verschiedene Rhino-Virusarten und/oder einem anderen Virus. Eher selten sind krankmachende Bakterien für Erkältungen verantwortlich. Sie spielen aber im Verlauf eines grippalen Infekts als Sekundär- bzw. Superinfektion eine Rolle. Die echte Grippe (Influenza) wird durch verschiedene Arten von Influenzaviren ausgelöst. Das Gefährliche an der Influenza sind meist nicht die Viren selbst, sondern die bakterielle Sekundärinfektion, die auf eine Grippeerkrankung folgen kann. Da der Organismus mit der Bekämpfung der Influenza-Viren beschäftigt und geschwächt ist, können Bakterien leichter in den Körper eindringen und weitere Krankheiten und Komplikationen verursachen.

 

Warum erkrankt man immer wieder an einer Erkältung?

Warum kann man mehrmals im Jahr an einer Erkältung erkranken? Ist das Immunsystem nicht irgendwann gegen die Erkältungsviren gewappnet? Da es über 200 bekannte und unterschiedliche Viren gibt, die eine Erkältung hervorrufen, ist es für das Immunsystem unmöglich, gegen jeden möglichen Virus die passenden Antikörper parat zu haben. Somit sind Infektionen mit anderen Virentypen möglich, gegen die das Immunsystem erst noch Antikörper bilden muss. Folglich kann man sich mehrmals pro Jahr eine Erkältung, mit einem für das Immunsystem bislang unbekannten Virus, zuziehen.

Deshalb ist es besonders wichtig, dem Immunsystem die bestmögliche Unterstützung zu geben, damit es immer gut aufgestellt ist.

Warum sind manche Menschen infektanfälliger als andere?

Sicher ist man vor Erkältungen nie. Die Leistungsfähigkeit des Immunsystems variiert individuell. Zum einen spielt die genetische Veranlagung eine Rolle, zum anderen können Umwelteinflüsse und persönlicher Lebensstil einen erheblichen Einfluss auf die Abwehr ausüben. Auch die Bakterienzusammensetzung im Darm, die intestinale Mikrobiota, beeinflusst das Immunsystem. Wir erwerben den Großteil unserer Darmbakterien in den ersten 1-3 Lebensjahren. Dieser Prozess beginnt mit der Geburt und wird durch eine Vielzahl verschiedener Faktoren beeinflusst. Einen besonders großen Einfluss hat dabei die Art und Weise der Geburt. Kinder, die auf normalem Weg geboren wurden (sogenannte vaginale Geburt), kommen als erstes mit den mütterlichen Bakterien des Geburtskanals in Kontakt. Dies legt den natürlichen Grundstein für die intestinale Mikrobiota des Kindes. Kinder, die hingegen per Kaiserschnitt entbunden werden, kommen als erstes mit den Keimen der Haut und der Krankenhausumgebung in Kontakt. Somit besitzen Kaiserschnitt-Kinder eine andere Start-Mikrobiota im Darm als vaginal entbundene Kinder.

Ebenso wie sich unsere Darm-Mikrobiota in den ersten Lebensjahren entwickelt, kann sich auch unser Immunsystem erst langsam entwickeln und üben mit Erregern und Fremdstoffen richtig umzugehen. Daher ist es vollkommen normal, dass kleine Kinder im Durchschnitt viel häufiger krank sind als Erwachsene.

Im Alter verändert sich wiederum die Zusammensetzung der Mikrobiota und damit auch die Leistungsfähigkeit des Immunsystems. Die Vielfalt der Darmbakterien, Anzahl Funktion von Immunzellen nehmen bei den 60-Jährigen ab, was  zu einer erhöhten Infektionsanfälligkeit führen kann.

Ein gestörter Darm kann die Ursache für erhöhte Infektanfälligkeit sein, da er durchlässiger für Krankheitserreger ist. Im Immunorgan Darm werden wichtige Immunfaktoren gebildet, die für die Abwehr auf den Schleimhäuten von Nase und Lunge verantwortlich sind. Einige Darmbakterien fördern z.B. die Ausschüttung von Antikörpern (sogenanntes sekretorisches IgA), welche die Barrierefunktion der Schleimhäute unterstützen. Nicht zuletzt führt eine Störung im Darm auch zu einer verschlechterten Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen. Insbesondere Eisen, Zink, Selen und Vitamin B12 werden nur im gesunden Darm gut aufgenommen. Viele dieser Mikronährstoffe sind auch für die Funktion des Immunsystems wichtig.

 

Je nach Ernährungsweise und Lebensumständen kann sich die Funktionstüchtigkeit der Immunabwehr im Laufe des Lebens ändern. Folgende Faktoren führen zu einer Beeinträchtigung der Abwehrfunktionen:

        • Nährstoffmangel, Fehl- und Unterernährung oder Verwertungsstörungen können zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führen (siehe Mikronährstoffe)
        • Starker körperlicher Stress, zum Beispiel Hochleistungssport, wirkt sich auf die Produktion und Funktion der Abwehrzellen aus (siehe Sport – Energie, Muskeln & Immunsystem)
        • Personen, die sich gerade von einem Infekt erholen, sind meist geschwächt und daher anfälliger für weitere Infektionen
        • Einnahme von Antibiotika, die nützliche Bakterien des Darms zerstören (siehe Störfaktoren für den Darm)
        • Psychische Belastungen (siehe Stress)
        • Schlafmangel
        • Diabetes
        • Rauchen beeinträchtigt die Funktion der weißen Blutkörperchen
        • Übergewicht, hohe Cholesterinspiegel, hohe Blutfettwerte und regelmäßiger starker Alkoholkonsum

 

Tipps für eine gesunde Abwehr finden Sie hier.

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