Anwendungsbereich Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Wenn Fruktose zum Problem wird –
Fruktosemalabsorption

Fruktosemalabsorption

Fast jeder dritte Deutsche leidet nach dem Verzehr von Obst unter unangenehmen Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfällen. Dabei gelten gerade Obst und Obstsäfte als Lieferanten für überlebenswichtige Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und auch Ballaststoffe. Grund für diese unangenehmen Beschwerden kann die sogenannte Fruktosemalabsorption sein.

 

Was ist eine Fruktosemalabsorption?

Über die Nahrung nehmen wir täglich Fruktose zu uns. Diese gelangt über den Magen weiter in den Dünndarm, wo sie normalerweise mittels eines Transporterproteins in das Zellinnere aufgenommen wird. Diesen Transport kann man sich vereinfacht wie einen Lieferwagen vorstellen, der die Fruktose im Dünndarm einlädt und in die Zelle transportiert.

Merke: Bei Fruchtzucker handelt es sich um den Einfachzucker Fruktose. Dieser Zucker kommt natürlicherweise vor allem in Obst, Obsterzeugnissen und Honig vor. Da Fruktose eine höhere Süßkraft als der normale Haushaltszucker besitzt, wird sie verarbeiteten Lebensmitteln häufig in Form von z.B. Fruktose-Glucose-Sirup zugesetzt.

 

Die Fruktosemalabsorption ist gekennzeichnet durch mangelnde oder weniger leistungsstarke Transporter. Die über die Nahrung aufgenommene Fruktose hat also keine Chance, ins Zellinnere zu gelangen und verbleibt vorerst im Dünndarm (siehe Abb. unten).

Die Verdauung von Fruktose im Dünndarm
Im Dünndarm verweilt die Fruktose allerdings nicht lange. Mit dem restlichen Nahrungsbrei wandert sie weiter in den Dickdarm. Hier beginnen die Dickdarmbakterien die Fruktose zu verdauen. Dabei bilden die Bakterien Gase, die zu unangenehmen Bauchkrämpfen und Blähungen führen. Ebenfalls entstehen bei der Verdauung der Fruktose durch die Dickdarmbakterien sogenannte kurzkettige Fettsäuren. Wenn diese in unphysiologisch hohen Mengen anfallen, binden sie sehr viel Wasser und lösen Durchfall aus.

Zuckeralkohole wie z.B. Sorbit können den Transporter zusätzlich blockieren und und sorgen so dafür, dass die Fruktose nicht „abtransportiert“ werden kann. Deshalb sollten Menschen mit Fruktosemalabsorption den gleichzeitigen Verzehr von Sorbit und Fruktose vermeiden.

Nicht zu verwechseln: Fruktosemalabsorption und Fruktoseintoleranz

Bei der Fruktosemalabsorption kann die Fruktose nicht richtig aufgenommen werden, was zu Blähungen, Bauchkrämpfen und/oder Durchfall führt. Bei der Fruktoseintoleranz hingegen handelt es sich um einen erblichen Defekt eines Enzyms. Hierbei muss komplett  auf den Verzehr von Fruktose verzichtet werden. Unerkannt kommt es zu schweren Organschädigungen. Deshalb sollten diese Begriffe klar voneinander abgegrenzt und nicht synonym benutzt werden.

Wenn Bakterien sich umsiedeln – Mögliche Folge der Fruktosemalabsoprtion

Wie oben schon beschrieben, nutzen die Dickdarmbakterien die übermäßig anfallende Fruktose als Futter. Sie freuen sich über diese Extraportion und produzieren bei der bakteriellen Verdauung sehr viele Gase. Diese Gase führen dazu, dass der Druck im Darm steigt und die sogenannte Ileozökalklappe, die normalerweise Dünn- von Dickdarm trennt, durch den erhöhten Druck geöffnet wird. Die Dickdarmbakterien haben so freie Bahn in Richtung Dünndarm und lassen sich dort nieder. Dieses Phänomen bezeichnet man auch als bakterielle Fehlbesiedlung (engl. abgekürzt auch SIBO= small intestinal bacterial overgrowth syndrome). Durch die Fehlbesiedlung wird die Dünndarmschleimhautschicht geschädigt, was eine unvollständige Nährstoffaufnahme zur Folge hat. Lesen Sie hier mehr über eine ausgewogene Darmbesiedlung und eine gesunde Darmflora.

Fruktose als Substrat

Tipp: Unterstützen Sie die Darmschleimhaut mit geeigneten Mikronährstoffen wie z.B Zink, Folsäure, Biotin, Vitamin B2.

Fruktosemalabsoprtion erkennen: Die Diagnostik

Wie auch die Laktoseintoleranz wird die Fruktosemalabsorption mittels eines Wasserstoff-Atemtests diagnostiziert. Dabei wird der Wasserstoffgehalt in der Atemluft nüchtern mittels eines speziellen Gerätes gemessen. Nach dieser ersten Messung wird eine gewisse Menge Fruktose in Wasser aufgelöst und getrunken. Nach ein, zwei und drei Stunden wird dann erneut der Wasserstoffgehalt in der Atemluft bestimmt. Steigt der Wasserstoffgehalt über den anfangs gemessenen Nüchternwert (um 20 ppm) und treten typische Symptome wie Blähungen, Bauchkrämpfe und/oder Durchfall auf, gilt eine Fruktosemalabsorption als gesichert.

In drei Stufen beschwerdefrei genießen- Ernährungsumstellung bei Fruktosemalabsorption

Die Ernährungsumstellung einer Fruktosemalabsorption besteht aus drei Phasen: Karenzphase, Testphase und Dauerernährung. Während der
Karenzphase
sollte die Ernährung streng fruktosefrei sein, damit die Beschwerden abklingen bzw. eine Beschwerdefreiheit eintritt. In der anschließenden
Testphase
wird schrittweise ausprobiert, wie viel fruktosehaltige Speisen, Obst und Obsterzeugnisse vertragen werden. Fließend geht diese Phase in die
Dauerernährung
über, bei der eine gesunde, ausgewogene Ernährung erreicht werden soll. Diese Ernährungsumstellung muss mit einer allergologisch geschulten Ernährungsfachberatung erfolgen, damit die einzelnen Phasen richtig befolgt und weitere Nahrungsmittelunverträglichkeiten ausgeschlossen werden können.

Verträglichkeit von Obst

Gerade in Obst und Obsterzeugnissen findet sich natürlicherweise eine große Menge an Fruktose. Die Tabelle zeigt Ihnen, welche Obstsorten in welcher Phase Ihrer Ernährungsumstellung geeignet sind.

Obst und Obsterzeugnisse bzw. Lebensmittel
Während der Karenzphase geeignet Banane, Rhabarber, Avocado, Nüsse, Kokos, Samen (z.B. Leinsamen)
Während der Testphase geeignet Ananas, Aprikose, Clementine, Erdbeere, Grapefruit, Heidelbeere, Holunderbeere, Mandarine, Mirabelle, Orange, Papaya, Pfirsich, Kiwi, Johannesbeere, Sauerkirsche, Stachelbeere, Zitrone
Während der ersten beiden Phasen in der regel nicht geeignet Alle übrigen Obstsorten, z.B. Apfel, Birne, Rosine, u.a. Trockenfrüchte, Säfte und Konfitüren mit Fruktose/Sorbit oder Isomalt

Hinweis: Weitere Lebensmittel-Gruppen müssen mit in die Diät einbezogen werden.

Zutatenliste von Lebensmitteln genau überprüfen

Bei der Ernährungsumstellung ist es besonders wichtig, die Zutatenliste der Lebensmittel genauestens zu überprüfen. Hier sind neben der Fruktose auch Zuckeralkohole (z.B. Sorbit) aufgelistet. Zu finden sind Zuckeralkohole häufig in Light- bzw. Diätprodukten und Kaugummis. Auch Produkte mit der Aufschrift „zuckerfrei“ oder „zuckerarm“ sollten hinsichtlich ihrer Zutatenliste überprüft werden. Meist bedeutet dies nur, dass kein Haushaltszucker aber Zuckeralkohole enthalten sind.

Fruktose und Zuckeraustauschstoffe verbergen sich unter folgenden Bezeichnungen in der Zutatenliste:

  • Fruktose (Fructose), Fruchtzucker, Fruktosesirup (Fructosesirup), Zuckeraustauschstoff, Stärkesirup, Apfel-/Birnenkraut, Kunsthonig (Invertzucker)
  • Zuckeralkohole: Sorbit (E420), Mannit (E421), Isomalt (E953), Maltit (E965), Laktit (E966), Xylit (E967)

Da schon eine vollständige Vermeidung von Fruktose in der Praxis so gut wie unmöglich ist, sollte man auf Sorbit & Co. weitestgehend verzichten.

Vorsicht auch bei Zuckeralkoholen: Sorbit, Sorbitol, Maltit, Mannit, Isomalt.

 

Da eine Fruktosemalabsorption häufig mit einer Laktoseintoleranz einhergeht, lesen Sie hier mehr zum Thema Laktoseintoleranz.

Weitere hilfreiche Links: Hier finden Sie fruktose-, laktose- und glutenfreie Rezeptideen.

 

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