Wie entwickelt sich die Darmflora?

Entwicklung der Darmflora - Von der Geburt bis ins hohe Alter.

Ökosysteme sind dynamisch - so auch die Darmflora (intestinale Mikrobiota), die ein Leben lang auf äußere und innere Einflüsse reagiert. Dabei erfolgt die maßgebliche Entwicklung der intestinalen Mikrobiota ab der Geburt bis zum dritten Lebensjahr. Anschließend stabilisiert sich die Lebensgemeinschaft der Mikroorganismen im Darm bis zum Erwachsenenalter. Im Alter kann es zu einer Abnahme der Artenvielfalt und somit zu einer voranschreitenden Instabilität der intestinalen Mikrobiota kommen.

Ab wann entwickelt sich die Darmflora?


Den maßgeblichen Beginn der Darmbesiedlung stellt die Geburt dar. Während der Entwicklungsphase, die zwischen ein bis drei Jahren andauern kann, ist die Darmflora (intestinale Mikrobiota) noch weitaus instabiler als die Mikrobiota von Erwachsenen und somit besonders empfindlich gegenüber Störungen, z. B. durch Antibiotika. Kritisch sind solche Störungen auch deswegen, da in den ersten Lebensjahren die Entwicklung der intestinalen Mikrobiota mit der des Immunsystems eng verbunden ist.

Parallele Entwicklung von Darmflora und Immunsystem.


Die Darmflora und das Immunsystem entwickeln sich gemeinsam. Unter der natürlichen Geburt überträgt die Mutter Bakterienkulturen ihrer vaginalen sowie intestinalen Mikrobiota auf den Säugling. Dabei siedeln sich zunächst Bakterien im kindlichen Darm an, die sich der anfangs noch sauerstoffreichen Umgebung anpassen können, wie z. B. Vertreter der Gattungen Enterobacterium, Lactobacillus, Staphylococcus und Enterococcus. Durch deren Aktivität wird der Darm nach und nach sauerstofffrei, sodass im Anschluss die Besiedlung des Darms durch sauerstoffempfindliche Bakterien ermöglicht wird, wie z. B. durch die Gattungen Bifidobacterium und Bacteroides.

Auch das Immunsystem des Kindes ist anfangs noch nicht voll ausgebildet. Ein gewisser immunologischer Schutz wird dem Säugling von der Mutter mitgegeben und auch das angeborene Immunsystem hilft bei der Abwehr von Pathogenen. Vor allem das erworbene Immunsystem muss sich jedoch noch entwickeln. Für die Ausbildung und das Training der Immunzellen des erworbenen Immunsystems scheint die intestinale Mikrobiota von besonderer Bedeutung zu sein.

Hier kannst du mehr zum Darm-assoziierten Immunsystem erfahren, das durch die permanente Auseinandersetzung mit Bakterien der intestinalen Mikrobiota trainiert wird.

>>Die frühkindliche Entwicklung der intestinalen Mikrobiota ist eng mit der Entwicklung des Immunsystems verbunden.<<

Zusammensetzung der Darmflora ändert sich anfangs stetig.


Nach der Geburt und der darunter stattfindenden ersten Besiedlung des Darms wird die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft vor allem durch die Ernährung des Kindes beeinflusst.

Bei gestillten Kindern herrscht zunächst eine natürliche Dominanz an Bifidobakterien vor (bis zu einem Anteil von 90 % bei Säuglingen), was maßgeblich auf die in der Muttermilch enthaltenen präbiotischen Substanzen (Humane Milcholigosaccharide) zurückzuführen ist. Zudem besitzt die Muttermilch eine individuelle Mikrobiota, über die der Säugling direkt mit nützlichen Bakterien versorgt wird. Die intestinale Mikrobiota von ungestillten Kindern zeichnet sich hingegen durch eine reduzierte Anzahl an Bifidobakterien aus.

Mit dem Abstillen und der Einführung der Beikost verändert sich die Zusammensetzung der Mikrobiota hin zu einer vielfältigen Mikrobiota, wie sie auch bei Erwachsenen zu finden ist. In einem Alter von ca. drei Jahren ist dieser Prozess größtenteils abgeschlossen und die Zusammensetzung der intestinalen Mikrobiota stabilisiert sich.

Mit der Einführung der Beikost wird die Darmflora vielfältiger.

Mikrobiota der Muttermilch


Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen stellt das Stillen die optimale Ernährung für den Säugling dar. Neben der Versorgung mit allen essenziellen Nährstoffen enthält Muttermilch natürlicherweise verschiedenste bioaktive Substanzen, die für die Gesundheit des Säuglings förderlich sind, darunter lebende Bakterien, wie Laktobazillen und Bifidobakterien, sowie präbiotische Komponenten, sogenannte Humane Milcholigosaccharide (HMO). Über die Muttermilch wird das Kind also direkt mit nützlichen Bakterien sowie deren Futter versorgt. Das ist wichtig, weil eine vielfältige Mikrobiota des Kindes die Entwicklung des Immunsystems fördert und gegen Krankheiten schützen kann.

Wie sich die Mikrobiota der Muttermilch entwickelt, ist Gegenstand der aktuellen Forschung. Ein Teil der Bakterien gelangt über den Kontakt mit der Haut in die Muttermilch. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass auch die Darmflora der Mutter Einfluss auf die mikrobielle Zusammensetzung der Muttermilch nimmt. Es scheint demnach einen Transport von Bakterien aus dem Darm der Mutter in die Brustdrüsen bzw. die Muttermilch zu geben. Beim Transport spielen spezielle Immunzellen, insbesondere dendritische Zellen, eine Rolle.

Stabile Darmflora bei Erwachsenen.


Ab dem jungen Erwachsenenalter bleibt die Darmflora bei gesunden Erwachsenen meist über lange Zeit stabil. Diese Stabilität kann jedoch durch äußere Einflüsse, wie z. B. einseitige Ernährung, Stress und Krankheit, massiv gestört werden. Ein wichtige Einflussfaktor ist auch die Einnahme von Medikamenten, wie z. B. Antibiotika. Insbesondere Breitspektrum-Antibiotika können die Zusammensetzung der intestinalen Mikrobiota über Jahre hinweg verändern. Da eine gestörte Darmflora mit zahlreichen Erkrankungen verbunden sein kann, ist es essenziell, Störungen durch eine darmgesunde Ernährung bzw. einen darmgesunden Lebensstil vorzubeugen.

Entwicklung der Darmflora – Von der Geburt bis ins Alter

Fitnesslevel beeinflusst Bakterienvielfalt im Alter.


Mit dem Alter verändert sich die Darmflora und wird zunehmend instabiler. Die Gründe dafür liegen in der Natur der Sache: Senior*innen nehmen zumeist Medikamente ein, die sich negativ auf die intestinale Mikrobiota auswirken können. Neben der Aktivität lässt oftmals auch der Appetit nach, so dass für die Darmgesundheit essenzielle Nährstoffe möglicherweise nicht mehr in ausreichenden Mengen zugeführt werden. So wird im Alter häufig eine Abnahme der Bakterienvielfalt (Diversität) beobachtet, insbesondere von nützlichen Bifidobakterien und Bacteroides. Im Gegenzug kann es zu einer Zunahme potenziell krankheitserregender Keime kommen.

Interessanterweise werden diese Veränderungen bei gesunden, fitten Senioren nicht beobachtet. Deren Darmflora weist meist bis ins hohe Alter eine hohe Diversität auf, ähnlich wie sie bei Erwachsenen im jungen und mittleren Lebensalter zu finden ist.

Fit im Alter

Gut zu wissen.

Die Zusammensetzung der Darmflora (intestinale Mikrobiota) wird von einer Vielzahl innerer und äußerer Faktoren beeinflusst. Dies ermöglicht eine optimale Anpassung an diverse Lebensräume und -bedingungen. Negative Einflüsse können das Gleichgewicht der Darmflora jedoch stören, was mit gesundheitlichen Folgen für den Organismus verbunden sein kann. Daher sollte die Stabilität der intestinalen Mikrobiota entsprechend unterstützt werden. Informationen zur darmgesunden Ernährung sowie der gezielten Zufuhr von Probiotika, Präbiotika und Mikronährstoffen findest du hier.

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