Bei Stress auch auf die
intestinale Mikrobiota schauen

Dass sich anhaltender Stress negativ auf die Physis und Psyche auswirken kann, ist bekannt. Welche Rolle der Darm mit der dort ansässigen Mikrobiota im Stressgeschehen spielt, wird aktuell intensiv erforscht. Dabei gibt es momentan relativ wenig Daten zu den Auswirkungen von sozialem Stress auf die Mikrobiota sowie deren Einfluss auf das Verhalten. Interessante Ergebnisse liefert hierzu die aktuelle Arbeit von Partrick et al. (2018):

Sozialer Stress schlägt auf den Darm

Sozialer Stress wirkt sich auf die Diversität der intestinalen Mikrobiota aus.

Die Arbeitsgruppe hat sich mit dem Einfluss von akutem und wiederholtem sozialen Stress auf die intestinale Mikrobiota von Goldhamstern befasst.1 Diese sind hierzu besonders gut geeignet, da sie auf gleichgeschlechtliche Eindringlinge mit einem besonders aggressiven und territorialen Verhalten reagieren ohne sich gegenseitig körperlich zu verletzen. Aus diesem kleinen Machtkampf gehen anschließend Gewinner und Verlierer hervor, deren intestinale Mikrobiota vor, nach dem ersten Aufeinandertreffen und nach wiederholtem Aufeinandertreffen analysiert wurde. Bereits nach dem ersten Aufeinandertreffen zeigte sich sowohl beim Angreifer, als auch Verteidiger, eine veränderte Diversität der Mikrobiota. Keinen Unterschied in der Zusammensetzung der Mikrobiota gab es bei Kontrolltieren, die keinem Eindringling ausgesetzt waren. Der Unterschied zu den Kontrolltieren vergrößerte sich bei erneuter Stressexposition. Beeindruckend war, dass das Ausmaß der Veränderung der Mikrobiota zwischen Gewinnern und Verlieren vergleichbar war. Jedoch unterschieden sich bei den Gewinnern und Verlieren spezifische Bakterien, was zumindest den Gedanken zulässt, dass bestimmte Bakterien als Indikator für die Dominanz bzw. die Nicht-Dominanz der Tiere dienen könnten.1 Die Ergebnisse geben erste Hinweise darauf, wie sich sozialer Stress auf die intestinale Mikrobiota auswirkt. Inwiefern dies auf den Menschen übertragbar ist, wird sich in zukünftigen Forschungsarbeiten zeigen.

Intestinale Mikrobiota reagiert auf äußere Stressoren

Innere und äußere Stresssignale

 

Insbesondere der Einfluss der Mikrobiota-Darm-Hirn-Achse auf das neuroendokrine System spielt bei chronischem Stress eine wichtige Rolle. Zum Einen interagieren die Bakterien direkt mit Elementen des Systems, zum anderen bilden sie neuroaktive Metabolite, die wiederum das Verhalten beeinflussen können.2

Untersuchungen zeigen, dass insbesondere chronischer Stress die Permeabilität des Darms erhöht.2 Als Folge kann es zur Translokation von Bakterien kommen, die ihrerseits wieder über die Aktivierung proinflammatorischer Zytokine die HPA-Achse aktivieren und so die Stresskaskade am Laufen halten können.3

 

Abb. 1: Chronischer Stress verursacht über die Mikrobiota-Darm-Hirn-Achse eine Schwächung der Darmbarriere, eine intestinale Dysbiose insbesondere über die Aktivierung der HPA-Achse.

 

 

 

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