Darm-Haut-Achse

Wie der Darm und die Haut miteinander kommunizieren – die Darm-Haut-Achse

Die Darm-Hirn-Achse, also die Beeinflussung kognitiver Vorgänge über das Gesundheitsorgan Darm, ist mittlerweile gut belegt, neuere Forschung befasst sich nun auch mit der Darm-Haut-Achse und dem Einfluss der Mikrobiota auf diese Verbindung.

Dass die beiden Organe Darm und Haut in einer – aktuell stark umforschten – Beziehung zueinander stehen, zeigen beispielsweise Erkrankungen, die im Darm ihren Ursprung haben, sich aber auch extraintestinal auf der Haut manifestieren können. Dazu gehören z.B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder die Zöliakie, die in Form von Hautulzerationen und Dermatitiden auch an der Haut Auswirkungen zeigen können.1 Ein weiteres Beispiel stellen intestinale Dysbiosen sowie eine erhöhte intestinale Permeabilität dar, die unter anderem mit der atopischen Dermatitis assoziiert sind.2

Der Darm und die Haut sind nicht nur Organe mit den größten Oberflächen, sondern weisen noch weitere Gemeinsamkeiten auf. Zum einen sind sie gut vaskularisiert, innerviert und besitzen eine dichte Mikrobiota. Darüber hinaus handelt es sich um zwei komplexe Immunorgane, die über humorale und zelluläre Anteile des Immunsystems miteinander in Verbindung stehen.1

Kommunikation zwischen Mikrobiota, Darm und Haut

Abb.: Die Kommunikation zwischen Mikrobiota, Darm und Haut verlaufen über verschiedene Wege.

 

Die intestinale Mikrobiota spielt eine zentrale Rolle für die Darm-Haut-Achse

Studien an Mäusen konnten zeigen, dass es durch die Einnahme bestimmter Laktobazillen im Gegensatz zum Placebo zu einer gesteigerten Hautdicke, mehr Follikulogenese und einer Senkung des pH-Wertes der Haut kam1. All dies führte zu einem glänzenden und dickeren Fell der mit Probiotika gefütterten Mäuse. Der zugrunde liegende Mechanismus lässt sich immunologisch erklären, da die Mäuse der Probiotika-Gruppe erhöhte Level an antiinflammatorischen Zytokinen sowie erniedrigte Level an proinflammatorischem IL-17 aufwiesen.1 Auch in klinischen Studien an gesunden Frauen konnte ein Effekt von Probiotika auf die Haut gezeigt werden. So reduzierte eine 2-monatige Gabe von Laktobazillen die Hautsensitivität und die transepidermalen Wasserverluste.1,3

Mögliche Mechanismen und Erklärungsansätze für die Kommunikationswege der Mikrobiota-Darm-Haut-Achse betreffen (Abb.):

  • Interaktionen über das Immunsystem
  • metabolische Interaktionen
  • die Darm-Hirn-Achse

 

Sprachrohr Nummer 1: Das Immunsystem

Die Kommunikation zwischen Darm und Haut verläuft hauptsächlich über Komponenten des Immunsystems. Insbesondere die intestinale Mikrobiota beeinflusst das Darm-assoziierte Immunsystem und so nachfolgend auch die Haut. So wirken Bakterien und ihre Metabolite auf das Immunsystem beispielsweise über eine gesteigerte Sekretion von antiinflammatorischem IL-10 und als Folge auch auf die regulatorischen T-Zellen.4 Studien an Patienten mit atopischer Dermatitis, die nach Gabe von Laktobazillen oder Multispezies-Probiotika eine reduzierte Produktion von TH2-assoziierten Zytokinen5, IgE-Leveln6 und dadurch eine Besserung der Symptome erreichen konnten,5,6 unterstützen diese Beobachtungen.

 

Darm-Hirn-Achse als weiterer Kommunikationsweg

Des Weiteren wird eine Beteiligung der Darm-Hirn-Achse diskutiert. Bakterielle Signalmoleküle können das sympathische Nervensystem beeinflussen, welches unter anderem die Muskelfasern der dermalen Blutgefäße kontrolliert.4,5 Dieses Netzwerk aus kleinen Blutgefäßen unterstützt die Haut in ihrer Barriere- und Schutzfunktion.5 In vitro-Studien zeigten auch, dass Probiotika-Gaben die Level von Neuropeptiden, die mit Hautinflammationen assoziiert sind, wie der Substanz P, senken können.5,7

Neben den genannten Kommunikationswegen, beeinflusst auch die intestinale Permeabilität die Mikrobiota-Darm-Haut-Achse. So zeigte eine Einnahme von Laktobazillen und Bifidobakterien bei Erwachsenen mit einer atopischen Dermatitis nicht nur ein verbessertes Hautbild, sondern insbesondere auch reduzierte Plasma-Lipopolysacchride (LPS).5 Dies weist auf eine gestärkte intestinale Barrierefunktion hin.

Diese Erkenntnisse zeigen, dass der Darm nicht nur in enger Kommunikation mit dem Gehirn steht, sondern ebenso eine Verbindung zur Haut aufweist. Auch wenn noch nicht sämtliche Mechanismen voll verstanden sind, macht die zunehmende Anzahl positiver Evidenzen deutlich, dass die intestinale Mikrobiota und dementsprechend auch oral verabreichte Probiotika die Haut und Hautgesundheit beeinflussen können.5,6

 

Literatur

  1. O’Neill, C. A., Monteleone, G., McLaughlin, J. T. & Paus, R. The gut-skin axis in health and disease: A paradigm with therapeutic implications. BioEssays 38, 1167–1176 (2016).
  2. Wollina, U. Microbiome in atopic dermatitis. Clin. Cosmet. Investig. Dermatol. 10, 51–56 (2017).
  3. Gueniche, A. et al. Randomised double-blind placebo-controlled study of the effect of Lactobacillus paracasei NCC 2461 on skin reactivity. Benef. Microbes 5, 137–145 (2014).
  4. Friedrich, A. D., Paz, M. L., Leoni, J. & González Maglio, D. H. Message in a Bottle: Dialog between Intestine and Skin Modulated by Probiotics. Int. J. Mol. Sci. 18, (2017).
  5. Reid, G. et al. How do probiotics and prebiotics function at distant sites? Benef. Microbes 8, 521–533 (2017).
  6. Yeşilova, Y., Çalka, Ö., Akdeniz, N. & Berktaş, M. Effect of Probiotics on the Treatment of Children with Atopic Dermatitis. Ann. Dermatol. 24, 189–193 (2012).
  7. Gueniche, A. et al. Lactobacillus paracasei CNCM I-2116 (ST11) inhibits substance P-induced skin inflammation and accelerates skin barrier function recovery in vitro. Eur. J. Dermatol. EJD 20, 731–737 (2010).

 

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