Atopische Dermatitis

Aktuelle Forschungsergebnisse stützen den Einsatz von Probiotika in der integrativen Therapie der atopischen Dermatitis

 

Die atopische Dermatitis (AD) ist eine chronische Erkrankung der Haut, die insbesondere Kinder und Säuglinge betrifft. Weltweit ist eine steigende Prävalenz zu beobachten, zurzeit liegt sie bei 10 – 20%.1 Bei Erwachsenen liegt die Prävalenz noch bei 2 – 10%.2 Die atopische Dermatitis (AD) geht mit defekten Haut- und Darmbarrieren sowie einer überhöhten Immunantwort einher.3

Neben der Behandlung der AD mit lokalen Glukokortikosteoriden, rückfettenden Salben und, im Falle von schwer ausgeprägten Ekzemen, antiinflammatorischen Systemtherapien, werden auch zunehmend Probiotika zur Prävention und Therapie der AD untersucht.

 

Kinder und Erwachsene profitieren gleichermaßen von der Einnahme von Probiotika

Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2017 untersuchte an Kindern die Effekte eines Multispezies-Probiotikums mit Laktobazillen und Bifidobakterien auf das Hautbild und den Gebrauch lokaler Steroide.4 Nach einer 12-wöchigen Einnahme zeigte sich bei den Probanden der Probiotika-Gruppe eine signifikant größere Reduktion des SCORAD-Index gegenüber der Placebo-Gruppe (Abb. 1).4 Die Probiotika-Gruppe erreichte nicht nur eine um 19,2 Punkte deutlichere Verbesserung im SCORAD-Index im Vergleich zur Placebo-Gruppe, sondern darüber hinaus wurden auch signifikant weniger lokale Steroide  verwendet (Verum: 161 von 2084 Patiententagen [7.7%] vs. Placebo: 220 von 2032 Patiententagen [10.8%]).4

 

Abb. 1: Änderung des SCORAD-Index bei Gabe eines Multispezies-Probiotikums (Probiotika-Gruppe: -83%) im Vergleich zur Placebogruppe (Placebo-Gruppe: -24%).4

 

Dies untermauert die Ergebnisse von Yesilova und Kollegen, die 2012 in einer randomisiert, doppelblinden, placebo-kontrollierten Studie mit 40 Kindern und Jugendlichen zeigten, dass eine 8-wöchige Einnahme eines Multispezies-Probiotikums mit Bifidobakterien, Laktobazillen und Laktokokken zu einer signifikant stärkeren Verbesserung des Hautbildes (SCORAD-Index) verglichen mit der Placebo-Gruppe führte (von 35,4 ±13,4 auf 12,4 ±7,2 bzw. von 28,1±6,1 auf 15,3 ±5,1) (Abb. 2).5

 

Abb. 2: Eine 8-wöchige Einnahme eines Multispezies-Probiotikums führte im Vergleich zum Placebo zu einer signifikanten Reduktion des SCORAD-Index bei Kindern mit atopischer Dermatitis.

 

Auch Erwachsene, die an einer AD leiden, profitieren von der Einnahme probiotischer Bakterien. So zeigte bei Erwachsenen eine 16-wöchige Einnahme eines Lactobacillus salivarius im Gegensatz zum Placebo eine signifikante Verbesserung des SCORAD-Indexes (Verum: 27.57±3.4 auf 13.14±0.27, P<0.001, Placebo: 24.28±2.15 auf 20.14±0.27, nicht signifikant).6

 

Aktuelle Meta-Analyse bestätigt die signifikante Verbesserung des SCORAD-Index nach Probiotika-Gabe

Diese Ergebnisse konnten in einer aktuellen Meta-Analyse, die die Effekte von Probiotika in der Therapie der AD bei Kindern untersucht, gestützt werden. In die Meta-Analyse eingeschlossen wurden randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien. Die Einschlusskriterien umfassten neben der Einnahme probiotischer Kulturen auch die Schwere der AD (SCORAD-Index). Insgesamt 13 Studien mit Daten zu 1.070 Kindern wurden in die Meta-Analyse eingeschlossen..1

Die Meta-Analyse zeigte signifikant bessere Werte im SCORAD-Index nach Probiotika-Gabe als in den Kontrollgruppen (MD, -3,07; 95%CII, -6,12 – -0,03; p<0,00001). Subgruppen-Analysen zeigten zudem, dass Multispezies-Probiotika sowie die probiotischen Kulturen Lactobacillus fermentum und Lactobacillus salivarius den SCORAD-Index signifikant vebesserten.1

Die wissenschaftliche Absicherung der positiven Effekte von Probiotika bei Atopie ist dabei heute so weit fortgeschritten, dass ihre Anwendung in der aktuellen Richtlinie der World Allergy Organisation (WAO) empfohlen wird..7

 

Literatur

  1. Huang, R. et al. Probiotics for the Treatment of Atopic Dermatitis in Children: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Front. Cell. Infect. Microbiol. 7, (2017).
  2. Kwak, Y. & Kim, Y. Associations between prevalence of adult atopic dermatitis and occupational characteristics. Int. J. Nurs. Pract. 23(4). (2017) doi: 10.1111/ijn.12554.
  3. Reid, G. et al. How do probiotics and prebiotics function at distant sites? Benef. Microbes 8, 521–533 (2017).
  4. Navarro-López, V. et al. Effect of Oral Administration of a Mixture of Probiotic Strains on SCORAD Index and Use of Topical Steroids in Young Patients With Moderate Atopic Dermatitis: A Randomized Clinical Trial. JAMA Dermatol. Nov 8. (2017) doi: 10.1001/jamadermatol.2017.3647.
  5. Yeşilova, Y., Çalka, Ö., Akdeniz, N. & Berktaş, M. Effect of Probiotics on the Treatment of Children with Atopic Dermatitis. Ann. Dermatol. 24, 189–193 (2012).
  6. Drago, L., Toscano, M., De Vecchi, E., Piconi, S. & Iemoli, E. Changing of Fecal Flora and Clinical Effect of L. salivarius LS01 in Adults With Atopic Dermatitis: J. Clin. Gastroenterol. 46, S56–S63 (2012).
  7. Fiocchi, A. et al. World Allergy Organization-McMaster University Guidelines for Allergic Disease Prevention (GLAD-P): Probiotics. World Allergy Organ. J. 8, 4 (2015)
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